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Der heidnische Tempel

Aus den anfangs simplen Konstruktionen wurden im Laufe der Zeit kompliziertere, u. a. entstanden so auch heidnische Tempel.

Nicht selten wurden diese heiligen Stätte bei der christlichen „Missionierung“ niedergebrannt oder dergleichen und an den ehemals heiligen heidnischen Plätzen Kirchen gebaut.

Während der römische Geschichtsschreiber Tacitus noch ausführt, daß die Germanen keine Götterbilder verehren, sind uns aus der späteren heidnischen Zeit Überlieferungen bekannt, daß in den Tempeln prächtige Götterbilder standen und prunkvolle, frohe Feste abgehalten wurden.

Das Portal / Stonehenge

Die Verehrung der Götter fand/findet an heiligen Plätzen statt (wobei hier „heilig“ im germanischen Sinne gebraucht ist, d. h. „heil bringend, heilend“).

Als heilige Plätze waren z. B. die Haine zu nennen, also spezielle Wälder oder Waldstellen, an denen sich das Göttliche besonders deutlich fühlen läßt.

An diesen Stellen wurden anfangs auch Steinhaufen errichtet, später wohl kompliziertere Kontruktionen, um den jeweiligen Gott oder die Göttin zu kontaktieren.

Schutz / Schutzrune

Hauptsächlich Schutz repräsentiert die hier golden dargestellte Rune Algiz.

Das heute meistbenutzte Runenalphabet, das sog. Ältere Futhark, wird nach den Anfangsbuchstaben der ersten sechs Elemente (Fehu, Uruz, Thurisaz, Ansuz, Raidho, Kenaz) benannt.

Man gliedert es in 3 Ættir (Familien) zu jeweils 8 Runenbildern, insgesamt sind also 24 Runen enthalten, die in der folgenden Grafik zusammengestellt sind:

Erscheinung Tiwaz am Himmel

Tiwaz als Runenzeichen ist hauptsächlich mit dem Gott Týr verbunden.

Obwohl sehr wenig überliefert ist, scheint Týr einer der Hauptgötter zu sein und wird als Himmels-, Kriegs- und Thing-Gott gedacht.

Die wohl bekannteste Tat des Gottes hängt mit der Fesselung des Riesenwolfs Fenrir zusammen, bei der Týr zum Wohle aller eine Hand opfert.

„Der Wolf sagte: ‚Deshalb bin ich nicht darauf erpicht, mir dieses Band anlegen zu lassen. Aber ehe ihr mir mangelnden Mut vorwerft, lege doch einer von euch seine Hand als Pfand in mein Maul, damit es ehrlich zugeht.’…Niemand wollte seine Hand vorstrecken, bis schließlich Týr seine rechte Hand ausstreckte und sie dem Wolf ins Maul legte. Und als dieser zog, wurde das Band fest und noch härter; je mehr er sich zu befreien versuchte, um so fester wurde das Band. Da lachten alle außer Týr, er verlor seine Hand.“

Snorri Edda, Gylfis Täuschung, 43

Der Urdbrunnen

Der Urdbrunnen ist der Ort, an dem die Nornen Urd, Werdandi und Skuld das Schicksalstuch weben.

Dieses Schicksal ist für alle bindend, auch die Götter sind daran gebunden: Sie sind also mächtig, aber nicht allmächtig.

Das Bild des „Schicksalstuchs“ enthält eventuell noch weitere Aspekte:

  • Es gibt unverrückbare Knotenpunkte („feststehendes Schicksal“)
  • Innerhalb dieser Knoten gibt es aufgespannte Flächen, in denen man sich wohl frei bewegen kann („Entscheidungsfreiheit“).
  • Alle Punkte sind mit allen anderen Punkten verbunden („kosmologische Einheit“).

„Ich weiß eine Esche,
Yggdrasil heißt sie,
die hohe, getränkt
mit weißen Wassern;
von dorther fällt
der Tau in die Tale,
stets steht sie grün
überm Brunnen der Urd.“

Die Weissagung der Seherin, 19

Das Multiversum

Das Multiversum umfasst neun Welten.

Zum Bild: Im Zentrum liegt Midgard, hier als organische Korpuskel-Ebene gedacht.
An den Ecken eines perfekten Kubus liegen die acht anderen Welten.
Jeweils gegenüber liegen:
Wanenheim (grüne Sphäre) – Jötunheim
Asgard (organisierter metallischer Cluster) – Hel
Lichtalbenheim (helle Sphäre) – Schwarzalbenheim
Muspellsheim (Feuersphäre) – Niflheim

„Der Riesen gedenk‘ ich,
der frühe gebornen,
die mich vorzeiten
aufgezogen;
weiß neun Welten,
weiß neun Wurzeln,
den herrlichen Maßbaum
unter der Erde.“

Die Weissagung der Seherin, 2

Ymirs Geburt

Ymir heißt der Urriese der nordischen Mythologie, der im Urabgrund Ginnungagap aus den durch die Hitze Muspellsheims schmelzenden Reiftropfen Niflheims entstand.

Dieses zwitterhafte Wesen erschafft das Geschlecht der Riesen und das der Götter.

Nach seiner Tötung durch die Götter wird aus seinem Körper die Welt erschaffen.
„In uralten Zeiten,
da hauste der Ymir,
keinen Sand, keine See gab’s
noch kalte Brandung;
die Erde – nirgends,
kein Himmel darüber,
nur gähnender Abgrund
und gar kein Gras !“

Die Weissagung der Seherin, 3

Der Weg nach Niflheim

Niflheim ist ein mythologischer Ort, der zusammen mit Mupellsheim bereits vor der Weltschöpfung existierte.

Hier als eisiger Ort gedacht, war diese Welt einst durch den Urschlund Ginnungagap von Muspellsheim getrennt.
„Da entstand Eis , und als dieses Eis liegenblieb und nicht weiterglitt, legte es sich dort über alles.“

Snorri Edda, Gylfis Täuschung, 19

Der Weg nach Muspellsheim

Muspellsheim ist die Bezeichnung für eine der neun Welten im Multiversum der germanischen Mythologie.

Er spielt als feuriger Gegenpol zu Niflheim eine tragende Rolle in der Kosmogonie und wird als Heim der Feuerriesen gedacht.

Bei dem Schicksal der Götter, den Ragnarök, werden die Feuerriesen unter der Führung ihres Herrschers Surtr schließlich den Weltbrand entfachen.
„Vom Süden kommt Surtr
mit der Zweige Verderben,
es glänzt vom Götter-
Schwert die Sonne;
Felsklippen knallen
und Trollweiber fallen;
zur Hel gehn die Menschen;
der Himmel zerspringt.“

Die Weissagung der Seherin, 52